Truppenübungsplatz Döberitz

Der Truppenübungsplatz Döberitz ist ein historisch und ökologisch bedeutendes Gebiet, das von militärischer Nutzung geprägt war und heute als Naturschutzgebiet eine wichtige Rolle für die Erhaltung von Flora und Fauna spielt. ​

 

 

Truppenübung bild

Geologie und Natur: 

Die Döberitzer Heide entstand während der letzten Eiszeit und ist geprägt durch Schmelzwasserrinnen, Moore und Erhebungen. Die Flora und Fauna wurden ab den 1990er Jahren wissenschaftlich erfasst, wobei die Region heute ein bedeutendes Naturschutzgebiet ist. ​

Besiedlung und Nutzung:

Die Besiedlung begann vor etwa 5.000 Jahren. ​ Spuren aus der Bronzezeit, Slawenzeit und deutschen Kolonisation sind dokumentiert. Ab dem 13. Jahrhundert wurde das Gebiet durch deutsche Kolonisten besiedelt. ​

Militärische Nutzung:

Seit 1713 wurde das Gelände für militärische Zwecke genutzt. Ab 1892 entstand der Truppenübungsplatz Döberitz, der von verschiedenen Armeen (Kaiserliches Heer, Reichswehr, Wehrmacht, Sowjetarmee) genutzt wurde. Es wurden Kasernen, Schießbahnen und andere militärische Einrichtungen errichtet. ​

  • 1713: Friedrich Wilhelm I. mustert ein Regiment Dragoner auf dem Gut Döberitz. ​

  • 1753: Friedrich II. ​ erprobt während eines Manövers mit 44.000 Mann die „Schiefe Schlachtordnung“ in Vorbereitung des Siebenjährigen Krieges. ​

  • 1892: Der Chef des Generalstabes der Kaiserlichen Armee wählt das Gelände für einen Truppenübungsplatz aus.

  • 1895: Enteignung des Dorfes Döberitz und weiterer Flächen; Übergabe des Truppenübungsplatzes durch Kaiser Wilhelm II. ​

  • 1896: Einrichtung des Gardelagers und Paradelagers; Bau des Kommandanturgebäudes

  • 1910: Eröffnung einer Versuchsanstalt für das Militärflugwesen. ​

  • 1914: Errichtung eines Gefangenenlagers und des Neulagers während des Ersten Weltkriegs. ​

  • 1919: Gründung der Reichswehr mit 100.000 Mann gemäß Versailler Vertrag. ​

  • 1920: Ausgangspunkt des Kapp-Putsches durch die Marinebrigade Erhardt. ​

  • 1936: Unterbringung von Teilnehmern der Olympischen Spiele im „Olympischen Dorf“ Döberitz; Olympische Wettkämpfe auf dem Gelände. ​

  • 1936: Rekrutierung der Freiwilligen für die Legion „Condor“. ​

  • 1944: Einsatz von Truppen aus Döberitz bei der Operation „Walküre“ nach dem Attentat auf Hitler.

  • 1945: Einnahme des Truppenübungsplatzes durch die Rote Armee; Gefangenenlager für Überlebende des Ausbruchs der Berliner Garnison. ​

Nach 1945 übernahm die Rote Armee, später Sowjetarmee, das Gelände. ​ Es wurden militärische Anlagen genutzt und teilweise zerstört. ​ Zivile Nutzung war nur begrenzt möglich. 

Nachkriegszeit:

  • 1946: Nutzung des Geländes durch Neubauern im Rahmen der Bodenreform.

  • 1966: Absturz einer Boeing 727 der Pan Am auf dem Truppenübungsplatz. ​

  • 1991: Beendigung der militärischen Nutzung durch die sowjetischen Streitkräfte.

  • 1992: Gründung des Naturschutz-Fördervereins und Beginn der Umgestaltung des Geländes. ​2004: Erwerb des Geländes durch die Heinz-Sielmann-Stiftung und Errichtung der „Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide“. ​

Naturschutz und Umgestaltung:

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1991 wurde das Gelände in ein Naturschutzgebiet umgewandelt. ​ Die Heinz-Sielmann-Stiftung erwarb große Teile und schuf „Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide“, die heute Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten bietet. ​

Denkmäler: 

  • Hasenheidenberg-Denkmal (Der Obelisk): Errichtet 1903, 11 m hoch, aus schwedischem Granit, mit Inschriften zu Friedrich II. ​ und Wilhelm II.

  • Der Globus: Ein Globus mit einem Adler, eingeweiht am 21. März 1931, symbolisiert verlorene Ländereien nach dem Ersten Weltkrieg.
    Gardegedenkplatz: Mit einem Hauptstein und 79 Feldsteinen, die die Einsatzorte des Gardekorps während des Ersten Weltkriegs repräsentieren. ​

  • Der Löwe von Döberitz: Ein Denkmal für die gefallenen Kameraden des dritten Garderegiments zu Fuß, eingeweiht 1923, endgültig zerstört 1991/92. ​

  • Denkmal am Döberitzer Gefangenenfriedhof: Mit einer trauernden Frauengestalt, welche von französischen Gefangenen errichtet worden sein soll. Errichtet nach der Überführung der Toten des Ersten Weltkriegs. ​(„Weiße Maria“, „Heilige Maria“ von den Einwohnern genannt)

  • Windheim-Gedenkstein: Für Generalinspekteur Paul von Windheim, der 1912 bei einem Unfall starb. ​

  • Brandt-Gedenkstein: Für Gefreiten Fritz Brandt, der 1911 von einem Wilderer getötet wurde. ​

  • Hoffert-Gedenkstein: Für Kanonier Hoffert, der 1906 bei einem Gewitter ums Leben kam.

  • Fahnenjunker-Denkstein: Eine Feldsteinpyramide, errichtet 1916 von einem Fahnenjunker-Kursus. ​
    Denkstein der 12. Kompanie des 1. Gardekorps: Ein Findling mit Inschrift, platziert vom letzten Kompaniechef. 

  • Fliegerbrunnen (Mettegang-Brunnen): Im Garten des Fliegeroffizierskasinos, mit Darstellungen des verlorenen Ersten Weltkriegs. ​

  • Kriegel-Gedenkstein: Für Kraftfahrer Fritz Kriegel, der 1925 bei einer Übung verunglückte. ​

  • Pickel-Denkstein: Für Andreas Pickel, der 1988 bei einem Unfall mit Sprengmitteln starb. ​