Dallgow
Zur Geschichte der Gemeinde Dallgow-Döberitz
Von den Anfängen zum Dorf
Urkundlich erwähnt wird Dallgow erstmals im Jahre 1271. Am 20. November 1271 übereignete Ritter Rudolf von Schneitlingen dem Kloster in Spandau für die Aufnahme seiner Tochter sieben Hufen Land in „villa Dalghe“.
Bei archäologischen Untersuchungen während des Ausbaus der Bundesstraße 5 am Verkehrsknoten-punkt B 5 / L 20 wurden in den Jahren 1994 bis 1997 u. a. Pfostengrundrisse, Grubenhäuser, Feuerstellen und Brunnen aus der vorrömischen Eisen-, römischen Kaiser- und frühen Völkerwanderungszeit sowie der mittel- und spätslawischen und der frühdeutschen Periode freigelegt.
Beim Bau der Wohnsiedlung in der Bahnhofstraße wurden 1993 weite Teile eines germanischen Dorfes freigelegt, das auf die Zeit zwischen dem ersten und dem Ende des fünften Jahrhunderts nach Christi datiert wurde. Die Funde dieser Siedlungsetappe werden mit Stämmen der Elbgermanischen Semnonen bzw. Sueben verknüpft.
Im Zuge der Völkerwanderung wanderten die Germanen größtenteils nach Südwesten ab. Im siebenten Jahrhundert wanderten von Osten die Slawen nach. In der mittelslawischen Periode bildete sich ein bedeutendes Burgzentrum in Spandau, das zum Stammesgebiet der Heveller / Stodoranen mit ihrer Hauptburg in Brandenburg an der Havel gehörte.
Ortsname
Dallgow ist dem Namen nach auch auf eine slawische Niederlassung zurückzuführen, die sich über einen längeren Zeitraum aus einer Kleinsiedlung auf einer flachen Talsandinsel am Rande des großen Havelländischen Luches zum heutigen Dorf entwickelte.
Die Wurzel des Ortsnamens lässt sich von dem slawischen „daleku“ (demnach „tief gelegener Ort“) sowie auch aus dem slawischen „dolg“ (für „lang“) ableiten. Der Name änderte sich dann im Laufe der Jahrhunderte: aus „dalghe“ wurde „dalgen“, „talge“ oder „talga“. Bis zum Dreißigjährigen Krieg bleibt die Schreibung „Dalge“. Erst später „Dalgo“, dann „Dalgow“ und etwa ab 1870 „Dallgow“. Das zweite „l“ im Ortsnamen ist nach einer Überlieferung lediglich auf einen bei einem Siegelmacher in Nauen falsch hergestellten Stempel zurückzuführen.
Neuere Geschichte
Die Bewohner waren etwa bis 1811 ihrem Grundherren, dem Besitzer, zu Diensten verpflichtet. Das waren anfänglich die Markgrafen, welche durch Belangung, Verpfändung und Verkauf wechselten. Die Besitzverhältnisse Dallgows lassen sich ab 1412 belegen.
Mit den Reformen von 1807 über die Aufhebung der Erbuntertänigkeit der Bauern und 1811 mit dem Edikt über die Regelung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse wurde in Preußen die Grundlage für die Beseitigung der Fron- und Handdienste der Bauern geschaffen. Der „Zehntablösungs-Rezeß“ der Dallgower Bauern wurde zwischen 1811 und 1834 vollzogen und die Bauern erkauften ihr Eigentumsrecht. Aufgrund des „Dienstablösungsvertrages“ konnten die Bauern ihre Höfe verkaufen, vertauschen und verschulden. Sie brauchten nicht mehr für den Gutsbesitzer zu fronen und zu zinsen. Was sie erarbeiteten, gehörte fortan ihnen und ihren Familien.
„Mehrmals äscherte Feuer den Ort teilweise ein, so 1845, als durch Blitzschlag sieben Bauernhöfe ein Raub der Flammen wurden, ferner 1869, als drei Gehöfte und der Kirchturm ganz und zwei teilweise vernichtet wurden, und endlich 1903, als von vier Gehöften nur die Wohnhäuser gerettet werden konnten. So hat Dallgow ein zeitgemäßes Aussehen erhalten.“ schrieb der Dallgower Lehrer Hermann Maschkewitz im Jahr 1931. Bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1909 waren die Einwohner zu Löschdiensten verpflichtet.

Zur Entstehung des Ortsbildes
Die Grundlagen zur Entstehung des heutigen Ortsbildes von Dallgow waren der Bau der Hamburger Chaussee 1831, der Lehrter Bahn 1871 sowie die Errichtung des Truppenübungsplatzes Döberitz 1895.
Als ein Vorort Berlins entstand 1903 um den Bahnhof die Villenkolonie Neu-Döberitz, das heutige Zentrum von Dallgow-Döberitz. Von diesem Zeitpunkt an veränderte sich der Ort rasant. 1831 wurde die neue Fernstraße von Berlin nach Hamburg (Hamburger Chaussee) in geradliniger Streckenführung unter Umgehung der Dörfer Dallgow und Rohrbeck angelegt.
1903 – 1910 wurde die Döberitzer Heerstraße als Verlängerung der Berliner Ost-Westachse vom Reichskanzlerplatz (heute Theodor-Heuss-Platz) bis an die Ortsgrenze Dallgows gebaut. Während der deutschen Teilung war die Hamburger Chaussee Teil der DDR Transitstrecke (Fernverkehrsstraße 5). Im Jahr 2002 wurde der Ausbau der Hamburger Chaussee zur vierspurigen Bundesstraße 5 mit vier Knotenpunkten abgeschlossen. 1871 wurde die Bahnstrecke Berlin-Lehrte gebaut. Die Bahnstation Dallgow wurde an der Gemarkungsgrenze zwischen Dallgow und Rohrbeck errichtet, weil beide Dörfer Nachteile befürchteten und dafür nötiges Land verweigerten. Der Lehrer Maschkewitz schrieb dazu: „Der Bahnhof Dallgow wurde an der Ortsgrenze zwischen Dallgow und Rohrbeck errichtet, weil beide Dörfer aus Furcht vor Funkenflug, Lärm, Erschütterungen und insbesondere weniger Milchleistung der Kühe gegen das Eisenbahnprojekt votierten.“
Name des Bahnhofs
Später bemühten sich beide Dörfer um einen Bahnhof vor Ort. Aus dieser Kuriosität heraus entstand das heutige Ortszentrum an der ehemaligen Gemeindegrenze zwischen Dallgow und Rohrbeck. 1898 wurde die Bahnstation umbenannt in Dallgow-Döberitz. 1921 wurde Dallgow zum Vorortbahnhof.
Während der deutschen Teilung fuhren die Vorortzüge im Pendelverkehr über „Dallgow bei Berlin“ nur bis an die Sektorengrenze zu West-Berlin in Staaken. Neben dem Güterverkehr rollte ab 1976 auch der grenzüberschreitende Personenverkehr auf einem Transitgleis von und nach Berlin (West) durch Dallgow.
Der für den Interzonenverkehr errichtete Kontrollbahnhof Staaken befand sich einige hundert Meter vor der Grenze auf Dallgower Gebiet. Mit dem Ausbau der Bahnstrecke für den Fernverkehr 1996 – 1998 wurden die Gütergleise und Rampen am Bahnhof zurückgebaut und ein neuer Mittel-Bahnsteig für den Regionalbahnverkehr errichtet.
Der Haltepunkt heißt seit 1998 wieder Dallgow-Döberitz.

Zeppeline
1915 wurden die Wiesen östlich von Dallgow in Richtung Staaken an die „Luftschiffbau Zeppelin-Gesellschaft“ verkauft und ein Flugfeld errichtet. Aus der nahen Werft für Luftschiffe und Flugzeuge in Staaken schwebte 1916 das erste Luftschiff über Dallgow. Der Ankermast für die Luftschiffe, an dem u. a. das Luftschiff „Graf Zeppelin“ im transatlantischen Liniendienst noch bis 1936 festmachte, befand sich auf Dallgower Boden. 1929 kaufte die Stadt Berlin die über 300 ha große Fläche mitsamt den Werfthallen und der Flugplatz kam in die Verwaltung der Berliner Flughafen Gesellschaft. So kam es, dass die Flächen auf dem Brandenburger Teil des ehemaligen Flugplatzes heute zu den Berliner Stadtgütern gehören. Die Nähe des Flugplatzes war auch der Grund, weshalb 1939 der Dallgower Kirchturm umgebaut und um 8 m gekürzt werden musste.
Truppenübungsplatz Döberitz
Döberitz – der angrenzende Truppenübungsplatz 1895 entstand südwestlich von Dallgow der Truppenübungsplatz Döberitz. Per Gesetz wurde die Enteignung des Rittergutes Döberitz verfügt. Alle angrenzenden Gemeinden und Rittergüter mussten dazu weitere Wald- und Weideflächen an den Militärfiskus abgeben, Dallgow 395 ha Land.
Das alte Dorf Döberitz wurde entsiedelt. Die Döberitzer Dorfanlagen, der Gutshof, die Kirche und Gehöfte wurden zurückgelassen. Aufgrund der Nähe zum Bahnhof und der Hamburger Chaussee wurde das Gardelager („Altes Lager“) mit Unterkünften, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden am nördlichen Rand des Truppenübungsplatzes zwischen den Dörfern Dallgow und Rohrbeck errichtet. Der Truppenübungsplatz Döberitz wurde als selbstständiger Amts- und Gutsbezirk geführt. Die Militär- und Kasernenanlagen wurden über Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaut, u. a. entstand für das Militär ein zweiter Flugplatz, der Flugplatz Döberitz. Der Übungsplatz und die Kasernenanlagen waren militärisches Sperrgebiet, welches nur mit Erlaubnis betreten werden durfte. Ob Truppenerladungen am Bahnhof, Fahrzeug- und Panzerkolonnen in den Straßen, Soldaten auf Ausgang, der Donner der Schießübungen oder als Arbeitgeber – das benachbarte Militär prägte vielfältig fast 100 Jahre den Alltag und das Leben im Ort.
Truppenübungsplatz nach 1945
Zum Kriegsende 1945 wurden die Döberitzer Militäranlagen vom russischen Militär besetzt. Vielfach wurden für eine Zeit auch Häuser und Höfe in Dallgow vom russischen Militär belegt, sowie deren Angehörige mit in Häuser und Wohnungen einquartiert. In Folge der Bodenreform wurden Land- und Gehöftplätze im alten Dorf Döberitz vergeben und zu Rohrbeck eingemeindet. Das Dorf wurde für zwölf Jahre wieder besiedelt, bis das sowjetische Militär den Truppenübungsplatz vollständig für sich beanspruchte.
Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte 1991 wurde der Truppenübungsplatz an das Bundesvermögensamt abgegeben. Die Bundeswehr erwog, das Gelände als integrierten Standortübungsplatz für drei umliegende Kasernenstandorte zu übernehmen. Der Truppenübungsplatz Döberitz wurde jedoch zum überwiegenden Teil zur Konversionsfläche, bis auf 564 ha im südwestlichen Teil, die von der Bundeswehr als Standortübungsplatz weiter genutzt werden. Zu dieser Zeit prägte sich für den ehemaligen Truppenübungsplatz der Name „Döberitzer Heide“.
Der freigewordene Teil des Übungsplatzes darf heute aufgrund der Munitionsbelastungen weiterhin nur auf gekennzeichneten Wegen betreten werden. Die Bewirtschaftung und Pflege der Flächen übernahm 1996 der „Naturschutzförderverein Döberitzer Heide e. V.“. 1997 wurde die Döberitzer Heide zum Naturschutzgebiet erklärt.
2004 erwarb die Heinz Sielmann Stiftung rund 3.400 ha der Döberitzer Heide.
Siedlungen
1903 setzte in Dallgow die Siedlungstätigkeit ein. Südlich des Bahnhofs entstand die Villenkolonie „Neu-Döberitz“, auch „obere Kolonie“ genannt. Nördlich des Bahnhofs entstand einige Jahre später die „untere Kolonie“, die östlich des Schwanengrabens zu Dallgow und westlich zu Rohrbeck gehörte. Die südlich an Finkenkrug angrenzende Kolonie „Neu-Rohrbeck“ wurde 1933 gegründet. An der Grenze zu Staaken entstand eine weitere neue Ansiedlung mit dem Namen „Dallgow-Ausbau“. Aus Platzmangel der schnell anwachsenden katholischen Gemeinde in Charlottenburg entstand hier 1909 der Friedhof der Charlottenburger Herz-Jesu-Gemeinde.
1913 wurde das, auf Dallgower Boden liegende Wasserwerk Staaken in Betrieb genommen, dass noch heute über 80.000 Einwohner in Falkensee, Dallgow-Döberitz, Schönwalde-Glien sowie Hennigsdorf versorgt.
An der Wilmsstraße wurde 1913 ein rund 54 Meter hoher Wasserturm errichtet, der jedoch nur wenige Jahre im Betrieb war. Und mit Anschluss Dallgows an das Staakener Wasserwerk seine Funktion verlor. Aufgrund der Nähe zum Flugplatz Staaken wurde der Turm um 1939 bis auf den Sockel abgetragen.
Während sich das Dorf Dallgow langsam und kaum merklich veränderte, entwickelte sich die Kolonie bis zum Ende den zweiten Weltkrieges sprunghaft. Jahr für Jahr wurden neue Häuser gebaut und Straßen angelegt und die Zahl der Bewohner wuchs.
Vom nahen Militärlager profitierten besonders die Gastronomen. Bis Mitte der 1930er Jahre entstanden eine beachtliche Anzahl an Hotels, Gaststätten mit Vereins- und Fremdenzimmern, Tanzsälen und Kinos.

1928 wurde Dallgow Standesamt und 1930 eigener Amtsbezirk mit den Gemeinden Dallgow, Döberitz und Rohrbeck. Dallgow nach 1945: Nach Ende des zweiten Weltkrieges übernahmen die drei Siegermächte Sowjetunion, USA und Großbritannien sowie Frankreich die Hoheitsgewalt über das Deutsche Reich. Das Gebiet wurde in Besatzungszonen aufgeteilt oder ganz ausgegliedert. Berlin erhielt einen Sonder-status und wurde in vier Sektoren aufgeteilt. In Folge des Kalten Krieges kam es zur Deutschen Teilung und zur Gründung zweier deutscher Staaten. Territorial befand sich Dallgow in der Sowjetischen Besatzungszone. Der zonenüberschreitende Güter- und Reiseverkehr wurde kontrolliert und war nur an den dafür eingerichteten Grenzübergangsstellen möglich. Wer im Berliner Umland wohnte und in West-Berlin arbeitete oder Verwandte besuchte, wurde zum Grenzgänger, wobei die Übertritte zunehmend erschwert wurden. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 endete die Reisefreiheit für die Mehrheit der DDR-Bevölkerung endgültig.
Der Verkehr auf der Hamburger Chaussee wurde anfangs noch am „Kontrollpassierpunkt Dallgow“ kontrolliert. Dieser Kontrollpassierpunkt befand sich an der Kreuzung der F 5 und F 2 (heutige B 5 Anschlussstelle Dallgow / Havelpark). Staaken bestand zunächst zu einer Hälfte aus einem britischen und zur anderen Hälfte aus einem sowjetischen Sektor und wurde von Berlin Spandau aus verwaltet und versorgt. Erst im Rahmen eines Gebietsaustausches im Jahr 1951 (Flugplatz Staaken und „Seeburger Zipfel“ gegen Flugplatz Gatow) wurde der westliche Teil Staakens der Sowjetischen Besatzungszone angegliedert. Im selben Jahr wurde der Kontrollpassierpunkt Dallgow nach Staaken, zur Heerstraße 1616 / Ecke Bergstraße vorverlegt.
Ab 1961 teilte sich in Dallgow der Verkehr auf der Hamburger Chaussee nach Berlin Ost und Berlin West. Bürger der Bundesrepublik Deutschland führte der Weg nach Berlin als Transitreisende über den Grenzübergang Staaken nach „West-Berlin“. Bürger der DDR fuhren in der Regel 55 km nach „Berlin (Hauptstadt der DDR)“, über Falkensee und Hennigsdorf.
Unter Kontrolle der sowjetischen Besatzungsmacht wurde ab Herbst 1945 eine entschädigungslose Bodenreform für Grundbesitz über 100 ha durchgeführt, welche die Besitzverhältnisse auf dem Land radikal änderte. Die von 1952 bis 1960 vollzogene Kollektivierung der Landwirtschaft löste die entstandenen kleinbäuerlichen Betriebe wieder auf und setzte an deren Stelle „Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften“ (LPG).
1953 wurde in Dallgow die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft „Einheit“ gegründet, eine LPG vom Typ III, in der Bauern ihren gesamten landwirtschaftlichen Betrieb mit Vieh, Maschinen und Gebäuden einbrachten. Die eingebrachten Ländereien wurden zu einer einheitlichen großen Bodenfläche zusammengelegt, die Feldgrenzen wurden beseitigt. 1960 hatte die LPG „Einheit“ 156 Mitglieder und 1.009 ha Nutzfläche.
Es gab eine zweite LPG „Frieden“ (Typ I), mit fünf Mitgliedern und 66 ha Nutzfläche. 1976 wurde diese LPG aufgelöst und die Bewirtschaftung übernahm die LPG Falkensee „8. Mai“. 1973 bildeten die Produktionsgenossenschaften Seeburg, Dallgow, Falkensee, Schönwalde einen gemeinsamen Betrieb der Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion mit Sitz in Dallgow. In den 1980er Jahren wurden landwirtschaftliche Flächen von Seeburg, Groß-Glienicke, Dallgow, Falkensee und Schönwalde gemeinsam in der LPG Pflanzenproduktion (LPG (P)) bewirtschaftet.
Nach der politischen Wende 1990 wurden die Verstaatlichungen und Kollektivierungen zurückgeführt. Fünf von ehemals 15 Familien in Dallgow führten den bäuerlichen Betrieb weiter, in Rohrbeck übernahm eine Familie einen bäuerlichen Betrieb. Für die Dallgower, die in Ost-Berlin arbeiteten, gab es morgens und abends genau eine direkte Zugverbindung. In Wustermark konnte man in den „Sputnik“ umsteigen – so nannte man die Regionalzüge der West-Berlin-Umfahrung, und erreichte den Berliner Ostbahnhof, ab 1971 den Bahnhof Berlin-Lichtenberg nach über 1 Stunde Fahrzeit.
Über das Leben in der DDR-Zeit schreibt Frau Katzor: „Viele Dallgower arbeiteten bis 1961 in Berlin. Mit Errichtung der Mauer fielen für die in Dallgow wohnhaft gebliebenen entweder die Arbeitsplätze in West-Berlin weg, oder sie mussten fortan einen viel längeren Anfahrtsweg in den Ostteil der Stadt in Kauf nehmen." Für viele erfolgte eine Umorientierung. Neben der Landwirtschaft gab es in Dallgow kleinere private Handwerksbetriebe und Einzelhandel. Dieser war gut ausgebaut, denn auch in den Dörfern gab es Geschäfte für den täglichen Bedarf. Im Zentrum (Bahnhofsnähe) waren bis zur Wende neben Lebensmittel, Bäcker, Milchladen, Fleischerei, Fisch- und Gemüseladen, auch Fachgeschäfte für Textilien, Schuhe, Lampen, Kurzwaren, Elektroartikel, Post, Eisenwaren und Drogerie vorhanden.
Die größeren Handwerksbetriebe wurden ab 1952 zur Gründung von Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) genötigt. In Dallgow waren davon drei Betriebe betroffen. Kleinere Handwerksbetriebe überlebten teilweise bis zur Wende. Die Auftragsbücher waren ständig voll und es konnte vorkommen, dass man beispielsweise auf eine neue Haustür drei Jahre warten musste. Vom benachbarten Militär waren vor allem die Anlieger der Dorf-, Haupt-, und Bahnhofstraße betroffen. Tagelang standen Panzer in großer Anzahl auf diesen Straßen und warteten auf die Verladung zu Truppenübungen.“
1988 befanden sich in Dallgow zwei Volkseigene Betriebe (VEB), drei Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH), eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft LPG (P), eine Außenstelle der LPG (T) Falkensee und des VEB Fleisch- und Frischeierproduktion Falkensee sowie 18 gewerbetreibende Handwerker. Zur Versorgung gab es 19 Handelseinrichtungen im Ort. An der Wilhemstraße, im ehemaligen Offizierskasino vor dem Kasernengelände, befanden sich eine Verkaufsstelle des HO-Spezialhandels und eine Verkaufseinrichtung der sowjetischen Streitkräfte, ein sogenanntes „Russenmagazin“. An der Ernst-Thälmann-Straße 44 (heute Wilmsstraße) befand sich ein Landambulatorium mit Physiotherapie und stomatologischer Abteilung. Es gab zwei Gemeindeschwesterstationen, eine Apotheke und ein Polytechnisches Zentrum der LPG (P). Die Kindergärten der Gemeinde befanden sich in der Straße des Friedens (heute Germanenstraße) und Finkenkruger Straße, eine Kinderkrippe in der Karl-Marx-Straße (heute Kurmarkstraße). In Rohrbeck gab es zudem einen Kindergarten der LPG sowie den Kindergarten der katholischen Kirchengemeinde (heutiges Johanneshaus). In der 1938 errichteten Volksschule an der Wilmsstraße wurden Schüler bis 1958 bis zur 8. Klasse unterrichtet. Ab 1959 wurde sie Polytechnische Oberschule (POS), an der bis zur 10. Klasse unterrichtet wurde.
Im Jahr 2000 wurde das neue Gebäude der Grundschule eingeweiht. Aufgrund eines Streites über den alten Schulnamen „Rosa Luxemburg“ hatte die Grundschule zunächst keinen Namen. Später erhielt sie den Namen „Am Wasserturm“ Heute befindet sich in dem alten Schulgebäude der Hort „Koboldland“ der Gemeinde. Die Schulküche der POS befand sich in der Seestraße. Vormals befand sich hier eine Badeanstalt am Schwanengraben (ab 1915). Später befand sich dort der Jugendclub der Gemeinde, welcher wegen erheblicher baulicher Mängel 2019 abgerissen wurde. 1950 wurde Rohrbeck zu Dallgow eingemeindet (Gemeinde Dallgow, Kreis Nauen, Bezirk Potsdam). Da es in Dallgow und Rohrbeck je eine Hauptstraße gab, wurde die Hauptstraße in Dallgow in Johann-Sebastian-Bach-Straße umbenannt.
Auch in Dallgow wurden Namen von Straßen geändert, um dem Traditionsbild oder dem Selbstverständnis der Politik zu entsprechen.
So waren zur NS-Zeit z. B. die Seestraße in Hindenburgstraße und die Steinschneiderstraße in Göringstraße umbenannt worden. Den Ideen des Sozialismus entsprechend wurden 1951 acht Straßen umbenannt, u. a. die Wilmsstraße zur Ernst-Thälmann-Straße, die Germanenstraße erst zur Stalinstraße, dann zur Straße des Friedens, die Bahnhofstraße wurde zur Puschkinstraße. An der Wilmsstraße / Ecke Bahnhofstraße war der „Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“, der zeitweise als Aufmarschplatz zu den Umzügen am 1. Mai diente (bis 1945 Gasthaus „Prinz Heinrich“, heute befindet sich dort der Discounter Lidl).
Neu-Döberitz
1994 wurde die Stadtentwicklungsgesellschaft Neu Döberitz (SEND) zur Entwicklung und Konversion der ehemals militärisch genutzten Fläche des Truppenlagers in Dallgow-Döberitz gegründet.
Im Zuge der Konversion wurde das Alte Lager zum Wohngebiet „Neu Döberitz“ und aus dem Areal mit Lager- und Werkstätten im Artilleriepark an der B 5 der Gewerbepark „Döberitzer Heide“.
Heute erinnert an das Alte Lager nur noch der unter Denkmalschutz stehende Wasserturm an der Wilhelmstraße (Bj. 1898) und eine Baracke. Das ebenfalls denkmalgeschütze Offizierskasino an der Wilhelmstraße verfiel im Besitz der Gemeinde und wurde auf Beschluss der Gemeindevertretung Anfang 2014 abgerissen.

Dallgow heute
Einer der ersten Beschlüsse, der nach dem Ende der deutschen Teilung von der neuen Gemeindeertretung im Jahr 1990 gefasst wurde, lautete, den Namen der Gemeinde Dallgow in Gemeinde Dallgow-Döberitz zu ändern. Der entsprechende Antrag und die Zustimmung der Kommunalaufsichtsbehörde erfolgte 1993. Erst drei Jahre später wurde mit der Gemeindegliederung per Gesetz der überwiegende Teil der ehemaligen Gemarkung Döberitz der Gemeinde Dallgow-Döberitz zugeordnet. Die ehemaligen Kasernenanlagen und Wohnplätze in Döberitz-Elsgrund sowie das Olympische Dorf wurden der Gemeinde Elstal zugeordnet, heute Gemeinde Wustermark, was von Dallgower Seite auch als „Landraub“ bezeichnet wurde.
Ende 1989 wohnten in der Gemeinde Dallgow 2.975 Einwohner. Größere Immobilien- und Bauprojekte nach 1990 waren neben dem neuen Wohngebiet „Neu Döberitz“ und dem Gewerbepark „Döberitzer Heide“ auch die Immobilienprojekte an der Triftstraße („Trift Siedlung“, Grundsteinlegung 1993) und im Lindhorst („Lindhorstsiedlung“), die Reit- und Springschule Deutschlandhalle (1992), die Hotelanlage auf dem Dallgower Dorfanger („Parkhotel Dallgow“, 1994), das Einkaufszentrum Havelpark (1995), die Wohnsiedlung an der Bahnhofstraße (genannt die „Bayerische Siedlung“, 1996) sowie der Umbau der sowj. Offiziersiedlung zur Wohnsiedlung Sperlingshof (1998). Zu den neuen Einrichtungen gehören u. a. das Feuerwehrgebäude an der Triftstraße, drei neue Kindertagesstätten (eine an der Wilhelmstraße, eine in der Triftstraße und eine in der Straße Am Reitplatz), der Bau und die Erweiterungsbauten der Grundschule am Wasserturm (Weißdornallee und Steinschneiderstraße) sowie das Marie-Curie-Gymnasium (2006). Der neue Sportpark Dallgow an der B 5 wurde 2011 eingeweiht.
Obwohl die Gemeinde bei der Kreisgebietsreform 1993 noch nicht die für amtsfreie Gemeinden erforderliche Einwohnerzahl (5.000) vorweisen konnte, wurde ihr aufgrund der positiven Entwicklungsprognose, eine vorläufige Amtsfreiheit zugesprochen.
Seit 1997 ist Dallgow Döberitz amtsfreie Gemeinde im Landkreis Havelland im Bundesland Brandenburg.
Im Zuge der Gemeindestrukturreform erfolgte 2003 der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinden Dallgow-Döberitz und Seeburg. Seeburg wurde als Ortsteil in die Gemeinde Dallgow-Döberitz eingegliedert. Das Gemeindegebiet hat heute eine Fläche von rund 66 km² (rund ein Drittel größer als die Stadt Falkensee).
Die Gemeinde grenzt heute im Norden an Falkensee, im Osten an Berlin-Staaken, im Süden an Potsdam und im Westen an Wustermark.
Anfang des Jahres 2015 zählte die Gemeinde rund 9.300 Einwohner. Ihre Einwohnerzahl hat sich durch den anhaltenden Zuzug seit dem Ende der deutschen Teilung vor 25 Jahren mehr als verdreifacht und wird weiterwachsen: Laut einer Studie des Landesamtes für Bauen und Verkehr aus dem Jahr 2011 soll die Einwohnerzahl bis 2030 nochmal um fast 25 Prozent ansteigen. Dallgow-Döberitz wäre damit – gemessen an ihrer bisherigen Einwohnerzahl – die am drittstärksten wachsende Gemeinde im Land Brandenburg.